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Termin Informationen:

  • Do
    11
    Okt
    2018

    Erinnerungskultur zwischen nationaler Selbstvergewisserung und Selbstbeunruhigung

    19:00Honigfabrik

    Erinnerungskultur zwischen nationaler Selbstvergewisserung und Selbstbeunruhigung

    Vortrag und Gespräch mit einer Referentin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

    Seit der deutschen Wiedervereinigung hat sich die Geschichtspolitik in Deutschland radikal gewandelt. Die Erinnerung an das Naziregime und seine Verbrechen, insbesondere an die Verfolgungs- und Vernichtungspolitik sowie den von Deutschland ausgehenden Raub- und Vernichtungskrieg sind Teil der staatlichen Gedenk- und Identitätspolitik geworden. Diese Politik zielt auf nationale Selbstvergewisserung. Zugleich mehren sich Angriffe von Rechtspopulist*innen und Neonazis auf Geflüchtete und ihre Helfer*nnen, aber auch auf Stolpersteine, Denkmäler und Gedenkstätten. Die gegen viele Widerstände errungene Erinnerungskultur, die davon ausgeht, dass die deutsche Gesellschaft aus der Vergangenheit gelernt hat, steht in Frage: Der mit dem Holocaust und zahlreichen, längst noch nicht „aufgearbeiteten“ NS-Menschheitsverbrechen verbundene Zivilisationsbruch ist nicht mehr unbestrittener Orientierungspunkt für das gesellschaftliche Selbstverständnis. Vielmehr erleben wir eine Zunahme von Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus, eine Verschiebung der geschichtspolitischen Koordinaten, die mit bewusster Geschichtsvergessenheit bzw. in Teilen aktiver Geschichtsumdeutung einhergeht. Der Vortrag fragt vor diesem Hintergrund, vor welchen Herausforderungen die deutsche Gesellschaft steht und welche Rolle Gedenkstätten als Orten der gesellschaftlichen „Selbstbeunruhigung“ zukommt.