Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu Islamismus und Djihadismus.
Mit Eric Bityili Nleme.

Nur langsam und manchmal widerwillig scheint die globale Öffentlichkeit
wahrnehmen zu wollen, dass im Dreiländer-Eck Nigerias, Kameruns und
Tschads ein bewaffneter Konflikt entstanden ist, der Potential hat eine
ganze Region zu destabilisieren. Im Namen eines abstrakten islamischen
Kalifats kämpft seit 2009 die Organisation Boko Haram nicht nur gegen
die Armeen dreier Länder, sondern terrorisiert christliche wie
muslimische Menschen mit Erpressungen, Entführungen, und Anschlägen. Wer
sich weigert und Widerstand leistet, muss mit Vernichtung rechnen – die
jüngsten Zerstörungen ganzer Städte durch Boko Haram lässt genozidale
Entwicklungen nicht mehr ausschließen. Doch es ist zu einfach, Boko
Haram als einen afrikanischen Ableger des internationalen Djihadismus
oder des sogenannten Islamischen Staates zu verstehen.

Die Veranstaltung wird die sozialen, ökonomischen und politischen
Hintergründe zum Phänomen Boko Haram vorstellen. Wie finanziert sich die
Organisation, woher stammen die Waffen? Welche Rolle spielen die
ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien in dem Konflikt?
Welche humanitären und ökonomischen Auswirkungen hat der Terror Boko
Harams auf die betroffenen Gesellschaften? Und wird die entstehende
Islamfeindschaft eine ethnische und religiöse Homogenisierung im Sinne
Boko Harams vorantreiben, oder kann sich aus der Solidarität und dem
Widerstand der Bevölkerung gegen den islamistischen Terror gar eine neue
Basis interreligiösen Zusammenlebens entwickeln?

Und schließlich: Warum kann eine militärische Bekämpfung von Boko Haram
nur erfolgreich sein, wenn sie von einer wirkungsvollen Bekämpfung der
sozialen und ökonomischen Ungleichheit begleitet wird?

Referent: Eric Bityili Nleme [Politologe u. Soziologe, promoviert an der
Universität Hamburg zu sozialen Bewegungen im Kamerun.

Vortrag auf französisch mit deutscher Übersetzung.